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CC’s Momentaufnahmen – ein Verdruss, ein Ausflug, zwei Highlights

Die schlechte Nachricht zuerst. Der erste Schnee des Winters, der dieses Jahr schon im Oktober kam, hat den wahrscheinlich jahrzehntealten Mirabellenbaum im Garten zu Fall gebracht. Fehlender Bodenfrost, zu viele verbliebene Blätter am Baum und schwerer Schnee war die tödliche Formel. Wir sind untröstlich. Der Baum stand neben dem Walnuss- und einem Apfelbaum und hat sich jeden Frühling mit seinen Nachbarn ein regelrechtes Wettrennen geliefert, wer die schönsten und die meisten Blüten trägt. Nicht nur die Blüten sind passé, nein auch der Sichtschutz zum nächsten Haus und zur Strasse ist weg. Klitzekleiner Trost: der Baum bleibt in meinem Mirabellen-Fruchtaufstrich verewigt.

Vor zwei Wochen habe ich mit einer Kollegin ein kleines Samstags-Tagesausflügli nach Fribourg gemacht. In der Westschweizer Stadt an der Saane die 36’000 Einwohner zählt, war ich zum ersten Mal. Die Stadt versprüht französisches Flair und die Einwohner sind äusserst nett und hilfsbereit. Wir sind durch die engen Gassen und breiteren Einkaufsstrassen gebummelt. Im Zug auf dem Weg dorthin habe ich bei Robert gesehen, dass er schon da war. Kurz entschlossen haben wir uns an seine Fersen geheftet. Wir waren bei Villars einkaufen und wollten uns im St. Gothard ein schönes Fondue-Mittagessen gönnen, was mangels Reservierung leider nicht gelang – proppenvoll. Immerhin, ein Bummel über den lokalen Samstagsmarkt war uns vergönnt. Dabei haben wir die lokale Biersorte Barberousse entdeckt. Insgesamt 9 Flaschen wanderten in unsere Taschen – helles, dunkles und Holunderbier. Am Ende des Tages habe ich mir eine – im Grunde genommen – komplett überflüssige Frage gestellt: wer bitte schön ist so verrückt und schleppt freiwillig einen halben Tag Bierflaschen und Schokolade durch die Gegend? Nun Bier und Schokolade haben geschmeckt, gut sogar. Die Schlepperei hat sich gelohnt.

Seit ein paar Tagen auf meinem Lesetisch: Fäviken von Magnus Nilsson – Katharinas Geschichte über ihren Besuch dort, gibt’s im Online-Standard zu lesen – und Das kulinarische Erbe der Alpen. Einzelne Seiten habe ich mir schon herausgepickt. Sehr informativ und lesenswert! Der 360 Seiten Schmöker wird meine Winterlektüre. Dann reise ich mit dem Buch vom Osten Österreichs über die Alpen bis in die Ebenen der Lombardei und werde über den Wandel der Getreidekultur im Alpenraum, der Wiederentdeckung alter Tierrassen, Gemüse und Obst im Wandel der Zeit, Ur- und Alpkäsen und den Fischtraditionen des Alpenraums lesen. Als erstes nehme ich die Kapitel mit Hintergründen zu Produkten aus der Region in der ich wohne in Angriff – Molkenkaramell aus dem Bregenzerwald, das ich immer schon gern mochte und im lokalen Dialekt Sig genannt wird, Riebelmais den ich heiss und innig zum Frühstück liebe und den Bekannte meiner Eltern, bei denen ich als Kind oft war, damals noch auf einem mit Holz befeuerten Ofen gekocht haben. Die Geschichten werden mit wunderschönen Fotos und Portraits von Produzenten begleitet. Ende dieses Jahres strahlt das Bayerische Fernsehen eine 12teilige Serie zu dem Thema aus, auf die ich mich jetzt schon freue.

Vorgestern Samstag hatten wir Bekannte und Freunde zum Essen eingeladen. Es kam wie es immer kommt. Ich möchte es einfach halten und es wird schlussendlich dann doch jedes Mal etwas umfangreicher, weil mir noch diese und jene Ideen in den Sinn kommen. Es gab geröstetes Focacciabrot mit Kürbis und Ziegenkäse, Selleriecremesuppe mit Chilifäden, selbstgemachte Tagliolini mit Steinpilzen und Eierschwämmli, Lammgigot aus dem Ofen mit Wirsing, Rüebli und Riebelstrudel, Käse und zum Abschluss Quittentarte und Quittenparfait. Zum Käse schmeckte die Pfirsichmarmelade die ich vergangenen Sommer mit italienischen Pfirsichen gemacht hatte vorzüglich und obwohl noch kein halbes Jahr vorbei ist, habe ich ein Glas der im Juli eingelegten schwarzen Nüsse geöffnet. Das Ergebnis war sehr zufriedenstellend. Die schwarzen Nüsse werden je länger sie im Glas reifen immer besser und sollen ihren Geschmackszenit angeblich nach 3 Jahren erreichen. Das Rezept gibt es kommendes Jahr im Juni, pünktlich zur nächsten Ernte von grünen Nüsse.

Danke an R&R und R&S für den kurzweiligen Abend und die wunderbaren kulinarischen Mitbringsel! Wir freuen uns schon auf Strozzapretti, Peperoncinimarmelade, bestes Olivenöl und Le Lingue die Suocera – jene die wir mit R&R bereits im Piemont so genüsslich verspeist hatten.

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Kommentare

  1. eline
    19.11.2012

    Danke fuer den Hinweis auf Das kulinarische Erbe der Alpen, Buch und Filmserie. Da freue ich mich schon darauf!

  2. Birgit
    19.11.2012

    @eline: Darauf freue ich mich auch schon sehr. Im Buch werden die geschichtlichen Hintergründe aufgezeigt, die erklären, warum wir heute essen was wir essen. Sehr aufschlussreich.

  3. lamiacucina
    20.11.2012

    bei dieser Bieauswahl hätte ich mich für das old cat entschieden, schon wegen des Etiketts. Bin auch gespannt auf dasalpenübergreifende Buch.

  4. Birgit
    20.11.2012

    @lamiacucina: Das old cat haben wir auf dem Markt nicht gesehen. Wenn du es bestellt hast, kannst du dich auf jeden Fall darauf freuen.

  5. Micha
    20.11.2012

    Schön, hier wieder zu lesen – du machst dich in der letzten Zeit ein wenig rar! Sehr schöne Buch- und Fernseh-Empfehlung! Und um deinen Mirabellenbaum trauere ich mit dir – da auch mit Bäumen gesegnet, weiß ich, dass man daran hängt!

  6. Birgit
    20.11.2012

    @Micha: Ja, ich weiss und ich bin schon froh, wenn ich es im Monat auf ca. 3 Beiträge im Monat bringe. Es schwirren so viele Ideen herum, aber die Zeit ist knapp bei einem 100% Job.
    Das war wirklich ein Schock, dass kann ich dir sagen. Aber nun, wir werden uns auch daran gewöhnen.

  7. Pingback: CC’s Momentaufnahmen – Gartenglück und Kochbuchfreude | Cosycooking

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