Cosycooking

Anisbögen – Weihnachtskrömli für voreilige Naschkatzen

Heute vor einem Jahr waren wir in Luang Prabang in Laos. Heute vor einem Jahr haben wir am Nam Khan Fluss im Restaurant Apsara zu Abend gegessen – als Vorspeise scharfer Garnelen- und grüner Papayasalat mit Kokosnussdressing, zum Hauptgang Mekongfisch mit Zitronengras und Tamarinden-Limettensauce. Und zur Feier des Tages habe ich mir ein Dessert gegönnt – Tapioca mit frischer Mango, Kokosnusscreme und Palmzucker. All das wollte ich zu Hause nachkochen und habe es in diesem einen Jahr doch nie gemacht. Heute vor einem Jahr waren der Advent und Weihnachten 8’700 Kilometer weit weg, denn nach der über vierwöchigen Reise sind wir erst kurz vor Silvester nach Hause zurückgekehrt. Mir hat diese Zeit auch ohne Weihnachtsmärkte und Keksle gefallen. Sehr sogar.

Dieses Jahr ist Kontrastprogramm angesagt – wir sind zu Hause und werden mit der Familie feiern. Es gibt im weihnachtlichen Vorfeld grundsätzlich mindestens zwei Kategorien von Kekslebacker und -esser. Jene, die Eichhörnchen-like im Dezember, vorzugsweise schon im November einen Riesenvorrat backen, es schaffen, alles fein säuberlich in Dosen zu bevorraten und eisern und diszipliniert keine Einzige dieser Köstlichkeiten zu stibitzen. Gegessen wird erst am 24.12. Basta. Dann gibt es jene die backen und bis Weihnachten, den ganzen Vorrat leergegessen haben. Vorfreude ist schliesslich die schönste Freude und die muss man unterstützen. Zu welcher Kategorie zählt ihr euch? Auf gut vorarlbergerisch heisst Plätzchen übrigens Keksle oder Krömli, auf schweizerdeutsch sind es Guetzli.

Anisbögen sind ein klassisches, österreichisches Weihnachtsgebäck – allerdings mit Tücken. Um den Bogendreh raus zu haben bzw. rein zu bekommen muss man flink sein. Eichhörnchenflink. Schon nach Sekunden lassen sie sich nicht mehr biegen und sie brechen dann. Man kann sie auch einfach grade lassen. Vom Geschmack macht das ja keinen Unterschied.  Bei meinem Ofen war die Backzeit von genau 7 Minuten optimal. Dann sind die Bögen nicht zu weich, noch nicht zu fest, lassen sich mit einem Spachtel schnell und gut lösen und um einen Kochlöffelstiel wickeln. Die Hedonistin hat für den richtigen Bogen auch einen guten Tipp. Einfach zwischen die Streben eines Kuchenrosts platzieren!

ANISBÖGEN – Rezeptquelle: eigenes Rezept

Zutaten für ca. 20 Stück à 8 cm Durchmesser

  • 2 ganze Eier
  • 75 Gramm Roh-Rohrzucker ODER dunkler Mascobadozucker
  • 60 Gramm Mehl Type 405
  • 1 Messerspitze Vanille
  • Anissamen
  • etwas flüssige Butter zum Einfetten des Backpapiers

 

  1. Backofen auf 175° C (Ober-/Unterhitze) vorheizen
  2. Eier mit Zucker in 10 Minuten sehr schaumig schlagen
  3. Mehl und Vanille vorsichtig mit einem Schneebesen unterheben
  4. auf Backpapier, dass mit Butter eingefettet ist, den Teig dünn in Kreisen auftragen – bitte mit genügend Abstand, sonst kleben sie zusammen! Ich habe sie mit einem Durchmesser von 8 cm aufgetragen. Kleiner geht natürlich auch
  5. mit Anissamen bestreuen
  6. 7 Minuten backen
  7. vorsichtig mit einem Spatel vom Blech lösen und schnell um einen Kochlöffelstiel wickeln oder auf ein Kuchenrostgitter stecken

 

Für mich sind die Anisbögen einfach und schnell zu backen, aber mehr Teegebäck als Weihnachtskeksle. Und weil sie frisch einfach am Besten schmecken, gehören sie so oder so zur 2 Kategorie der Weihnachtskekslebacker und -esser!

Die Variante mit dunklem Mascobadozucker hat mir geschmacklich etwas besser geschmeckt, als die mit Roh-Rohrzucker.

Mein Beitrag für das 7. Türchen beim kulinarischen Adventskalender von Zorra, an dem ich zum ersten Mal teilnehme!

P.S: Seit einiger Zeit bewahre ich meine Gewürze in kleinen Dosen auf. Man kann sie gut übereinanderstapeln und das Wichtigste für mich: sie lassen sich super im schmalen Gewürzschrank über dem Herd aufbewahren. Die Idee wurde ursprünglich von Nicole Stich auf ihrem Blog vorgestellt.

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Kommentare

  1. Eva
    7.12.2011

    ‘Eichhörnchenflink’…das würde ich vielleicht noch hinbekommen, aber das Bögen basteln mit 2 linken Händen…..- ich lasse sie dann doch lieber gerade; aber Keksrezepte mit Anis liebe ich schon seit Kindheitstagen – daher danke für dieses neue Rezept!

  2. Norbert
    7.12.2011

    Wäre es vielleicht nicht sinnvoll aus dem Teig (Konsistenz?) eine Rolle zu formen und davon Scheiben abzuschneiden, die dann aufs Backblech gelegt werden? Ich werde es ausprobieren.
    Die große Herausforderung dabei ist allerdings die, dass ich glutenfreies Mehl verwenden muss und das kann manchmal heikel werden.
    Vielen Dank für das Rezept aus Österreich.

  3. Birgit
    7.12.2011

    @Eva: Spielt ja eigentlich auch keine Rolle ob mit oder ohne Bogen. Anis hat einen feinen Geschmack, der so gut zu feinem Backwerk passt.
    @Norbert: Nein, nein, das geht nicht. Es ist ja kein fester Teig, sondern ein sehr kompakter Biskuitteig ohne Firlefanz. Mit glutenfreiem Mehl habe ich keine Erfahrung. Aber wenn es eher heikel ist, würde ich doch lieber auf ein anderes Rezept ausweichen, oder im Sinne von “5 grad sein lassen” auch bei den Anisbögen so verfahren. Und dann würde ich sie auch kleiner machen.

  4. Norbert
    8.12.2011

    @Birgit: Danke für den Hinweis. Da lass´ ich besser die Finger von und verschwende die guten Zutaten nicht.

  5. Ulli
    11.12.2011

    tolle idee, sowas hab ich ja noch nie gesehen, sieht super aus!!

  6. Schokozwerg
    12.12.2011

    Tapioca-Desserts finde ich großartig! War für mich eine ganz tolle Entdeckung und hat sich auch schon in meinen Kuchen niedergeschlagen. Eine Entdeckung sind diese Anisbögen jetzt auch :) Sie erinnern mich sehr an französische Tuiles. Merci!

  7. zorra
    12.12.2011

    Man sieht’s du hast den Bogen raus! Ich denke ich müsste flache Bögen machen. ;-)

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