Cosycooking

Karen - die Meyer Lemon Lady aus Kalifornien

Im Februar vor einem Jahr hatte ich in San Francisco die Gunst der Stunde genutzt und nach einer Geschäftsreise ein paar Tage Urlaub angehängt. Ich hatte mir viel vorgenommen, sind San Francisco und Kalifornien generell Himmel-auf-Erden-Destinationen für kulinarisch Interessierte. Ein Besuch auf den ich mich im Vorfeld besonders gefreut hatte war bei Karen Morss. Sie ist die Eigentümerin des Lemon Ladies Orchard, südlich von San Francisco. Hinter ihrem Haus kaufte sie ein brachliegendes Grundstück, auf dem sie 40 Meyer Zitronenbäume anpflanzte und seit 8 Jahren die begehrten Zitrusfrüchte erntet. Sie, die ursprünglich aus Pennsylvania stammt und Meyer Lemons erst kennenlernte, als sie nach Redwood City in Kalifornien zog.

Was sind Meyer Lemons? Für Kulinarik-Begeisterte ein rarer und deshalb ein umso begehrterer Schatz, denn in Europa werden sie, im Gegensatz zu den USA nicht in grossem Stil angebaut. Die Frucht stammt aus China und ist vermutlich eine Kreuzung zwischen einer Zitrone und einer Mandarine oder Orange. 1908 wurde sie von Frank Nicholas Meyer in die USA gebracht, wo sie langsam aber stetig ihre Bekanntheit steigerte. Trotzdem ist sie auch bei vielen Amerikanern noch völlig unbekannt und wird in Florida, dem bekanntesten und grössten Produzenten von Zitrusfrüchten nicht angebaut. Sie ist nicht so sauer wie unsere Zitronen, und die feinduftende und dünne Schale wird in vielen Rezepten mit verwendet.

Beim Läuten an der Tür fallen die vielen fein säuberlich gestapelten kleinen Kartonschachteln auf. Die Postbotin wird sie später abholen, so wie jeden Tag während der intensiven Erntezeit, die von November bis April dauert. Karen öffnet schwungvoll die Tür, bezeichnend für eine Frau wie sie. Sie erzählt mir von ihrer Softwarefirma, die sie aufgebaut hat und in den 1980ern für gutes Geld verkaufen konnte. Damals war sie Ende 40 und war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Sie trennte sich von ihrem Mann, den es in die Einsamkeit Neuseelands zog und liess sich in Kalifornien nieder. Mit ihrem zweiten Mann eröffnete sie eine Flugschule, die er bis heute führt. Karen entdeckte später die Zitronen für sich. Angrenzend an ihr Haus konnte sie ein kleines Grundstück kaufen, auf dem sie 2004 ihre 40 Bäume pflanzte. Sie hat sie nach Frauen benannt, die in ihrem Leben eine besondere Rolle gespielt haben, Verwandte, Freundinnen oder auch Prominente. Jeder einzelnen Frau hat sie eine Kachel zugesendet, mit der Bitte diese zu bemalen um diese gesammelt im Haus aufzuhängen. Das sie von Oprah Winfrey nie eine Antwort erhalten hat, findet sie heute noch schade. Ein paar Jahre hat sie die nach Frauen benannten Bäume keine Früchte tragen lassen und Jahr für Jahr die Blüten abgezupft. Dies sollte die Bäume stärken. Wie Recht sie hatte. Als wir auf die Terrasse und in den Garten treten, sehe ich von Zitronen fast überquellende Bäume. Karen setzt keine chemischen Dünger und Pflanzenschutzmittel ein sondern verlässt sich ganz auf Boden und Klima, welche in der Gegend perfekt geschaffen sind für die Meyer Lemons. Wir schlendern durch die Bäume und Karen erzählt mir von den Anfängen der Ernten. 2007/2008 entschied sie sich, die Bäume erstmals Früchte tragen zu lassen. Diese schienen sich für die gute Pflege zu bedanken und brachten einen Ertrag von fast 3'000 Kilo. Die gesamte Ernte wurde über die Wintermonate von Google im nahe gelegenen Mountain View für ihre vielen Restaurants abgenommen. Ein absoluter Glücksfall. Dann kam die Krise und der Softwarekonzern strich den Meyer Zitronen-Etat auf Null. Karen musste sich um andere Absatzmärkte kümmern. Blogger wurden auf sie aufmerksam und eines ergab das Andere. Heute verschickt sie die begehrten Früchte hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent, sie haben aber auch schon den Weg nach Amsterdam und Moskau gefunden.

Zurück im Haus. Auf dem Esstisch liegen die Meyer Zitronen schichtweise gestapelt. Jede einzelne Meyer Lemon wird von Hand gewaschen und das Ende mit dem Fruchtansatz abgeknipst. Nach den ersten Versänden trudelten die ersten Reklamationen ein. Kunden beschwerten sich über „Löcher“ in den Zitronen. Erst war Karen ratlos, schlussfolgerte aber ziemlich schnell, dass diese von den Blütenansätzen stammen mussten. Seitdem werden diese sorgfältig entfernt. Zitrone für Zitrone. Bei diesen Arbeiten bis zum Verpacken helfen ihr Nachbarskinder die sich bei dieser Arbeit ein kleines Taschengeld verdienen.

Danke Karen für den schönen und inspirierenden Nachmittag! In ein paar Tagen fliege ich wieder nach Kalifornien und ich freue mich jetzt schon auf das schönste und genussvollste Mitbringsel - einen grossen Karton mit frisch gepflückten Meyer Lemons aus Karens Lemon Ladies Orchard. In den Wochen nach meiner Rückkehr werde ich an dieser Stelle sicherlich das eine oder andere Rezept mit Meyer Lemons vorstellen.

Lemon Ladies Orchard - http://www.lemonladies.com/

Share on

Ähnliche Beiträge

Kommentare

  1. lieberlecker
    8.02.2016

    Und ich habe mich gefreut, dass ich Meyer Lemons jetzt endlich auch in Zürich gefunden haben (CHF26.- für 6 Lemons sind doch ein Schnäppchen, oder?) - meine Rezepte folgen auch bald :-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

  2. Birgit
    9.02.2016

    Habe mir schon gedacht, dass es die in Zürich gibt. Gab es sie nicht auch schon mal im grossen Warenkaufhaus das mit dem grossen G beginnt? Ich bin schon gespannt auf die Rezepte.

  3. Robert
    15.02.2016

    Wir freuen uns auch schon auf deine Mitbringsel aus California ;-)

  4. Christian
    31.08.2016

    Habe jetzt schon mehrfach von den Meyer Lemons gehört und ich frage mich, ob man die auch in Deutschland kaufen kann.

    Viele Grüße

Kommentar schreiben

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

* Pflichtfelder, E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht