Cosycooking

Kulinarischer Sonnenschein aus der Vorratskammer

Nach einem kurzen Vorgeschmack auf den Frühling hat der Winter wieder zugeschlagen. St. Gallen liegt auf gut 700 m Höhe, tiefere Temperaturen und Niederschläge bringen so unweigerlich Schneefall mit sich. Die Stadt wurde am Samstag wieder in winterliches Weiss gehüllt. Gemütlich auf dem Balkon zu sitzen und das Fahrrad als tägliches Fortbewegungsmittel zu nutzen, wird also leider noch eine ganze Weile dauern. Noch nie zuvor habe ich den blühenden Frühling so herbeigesehnt. Nachfolgend ein Bild vom letzten Jahr mit einem Motiv, das uns hoffentlich bald blühen wird.

Vergangenes Jahr habe ich nach längerem wieder Kräuter auf dem Balkon gezogen. Zusätzlich einen sehr erfolgreichen Versuch mit Kapuzinerkresse und einer Wildkräutermischung absolviert. Das hat mich motiviert dieses Jahr noch mehr anzupflanzen. Die Samentütchen für Radieschen, Pflücksalat, Patissons, Rucola, Serrano- und Cayennechili liegen parat. Sobald der Schnee dahinschmelzt und die Temperaturen steigen, wird der Balkon frühlingsfit gemacht! Bis dahin hole ich mir ein wenig Sonnenschein aus meiner Vorratskammer auf den Teller. Letztes Jahr habe ich viele Rezepte ausprobiert, einige selbst kreiert und zu Winterbeginn gestaunt, was sich die vergangenen Monate im Keller angesammelt hatte.

Wie gross war die Enttäuschung, als unser Walnussbaum vergangenen Juni praktisch keine grünen Nüsse trug und wie gross war die Freude, als mir Maya vom Bodensee ein grosses Paket voll schickte. Ich war hin und weg. Der Zubereitung von schwarzen Nüssen stand nichts mehr im Wege. Vor ein paar Wochen haben wir das erste Glas geöffnet und an einem Abend mit Gästen zu einer Käseplatte gegessen. So einfach und doch so ungewöhnlich gut. Die eingemachten schwarzen Nüsse sind jahrelang haltbar. Solange werden die paar Gläser nicht reichen. Deshalb werde ich sie dieses Jahr wieder machen, diesmal hoffentlich mit Nüssen vom eigenen Baum. Einen Teil der grünen Nüsse hatte ich süss-sauer eingelegt, aber bis dato noch nicht probiert.

Das im Herbst eingekochte Rosmarin-Apfel-Gelee entpuppte sich überraschend als mein Favorit unter meinem selbst produzierten, süssen Brotaufstrich-Vorrat. Es scheint so unspektakulär, schmeckt aber nicht nur auf Zopf und Brot vorzüglich, sondern auch zu Hartkäse und im Joghurt. Ein weiteres Highlight war die mit grossen Stücken eingekochte Pfirsichmarmelade. Der perfekte Käsebegleiter!

Für die gelben Paprikawürfel hatte ich Paprika bei 200° Grad in den Ofen gegeben bis die Haut Blasen warf. Kurz in einen Plastiksack gegeben und anschliessend geschält, dann in kleine Stücke geschnitten und im Mixer ohne Zugabe von zusätzlicher Flüssigkeit zu einer homogenen Paste vermixt. Diese in eine Eiswürfelform gegeben, gefrieren lassen, aus der Form gestürzt und in Plastikbeuteln in die Gefriertruhe gegeben. Wochentags koche ich gern Gemüse mit verschiedenen Gewürzen, das ich einfach mit erkaltetem, gekochtem Reis vermenge. Die Paprikawürfel gebe ich gern als „Geschmacksverstärker“ dazu. Auch in Saucen machen sie sich gut.

Hinter dem Haus in dem wir wohnen erstreckt sich ein Abhang, der sich im Frühling in ein gelbes Blütenmeer verwandelt. Ich hatte mich letztes Jahr mit einem Korb und gutem Schuhwerk ausgerüstet auf Löwenzahn-Sammeltour begeben. Auf dem Grundstück wird das ganze Jahr nichts gemacht, d.h. nicht gedüngt und nicht gemäht. Es ist eingezäunt und Hunde kommen nicht hinein. Das sind schon mal ziemlich gute Voraussetzungen für das Sammeln mitten in der Stadt. Es ist anstrengend und aufwändig, aber ich werde mich kommenden Frühling wohl wieder daran wagen. Der Löwenzahnsirup schmeckt mit seinem ganz eigenen Aroma zu gut zu Käse und im Müesli, als das ich die Mühen nicht wieder auf mich nehmen würde.

Neben dem Erwähnten erfreuen wir uns ausserdem an 20 kg eingekochen Tomaten, Holunderblütensirup, Holunderblütenessig und Holunderblütenlikör, diversen Marmeladen wie Rhabarber-Orange, Melone-Orange, Rhabarber-Erdbeer, Marille, Tomatenmarmelade, sowie Minzesirup, Fichtennadelhonig, Rote-Johannisbeeren Shrub, Amarena-Kirschen, Stachelbeerchutney, Tomaten-Paprika-Gelée und Stachelbeeren in Cachaca eingelegt. Einen Teil der Rezepte werde ich dieses Jahr nochmals kochen und verbloggen. Ich freue mich darauf.

Jetzt würde mich natürlich interessieren, was ihr bei euch im Keller an letztjährigen Sonnenschein-Schätzen stehen habt?

Share on

Kommentare

  1. Lena
    5.02.2013

    Schwarze Nüsse wollte ich letztes Jahr auch ausprobieren, leider ergab sich bei Bekannten das gleiche Problem, es gab keine Nüsse am Baum. Hoffentlich dieses Jahr!

    Ganz toll klingt dein Apfel-Rosmarin-Gelee (hast du das mit dem Entsafter gemacht?), sowie der Fichtennadelhonig (selbst gepflückte Fichtennadeln?). Ich bin sehr gespannt auf die Rezepte!

    Viel Gemüse von unserem Feldstück habe ich einfach eingefroren, wie grüne Bohnen, Zuckerschoten, rote Bete, Mais. Möhren, Sellerie, rote Bete und Pastinaken haben wir in Mieten im Keller eingelagert, was super funktioniert hat.
    Eingemachtes gab es bei uns hauptsächlich Marmelade und die mag ich am liebsten Einfrucht, höchstens mit Kräutern verfeinert wie Pfirsich-Rosmarin, ansonsten Aprikose-Vanille, Holunderblütengelee, schwarze Johannisbeere, Erdbeer. Ansonsten noch Himbeersauce, Holunderblütensirup, Rhabarbersirup, Erdbeerlikör, getrocknete Tomaten (eingefroren) und Tomatensauce.
    Hach, ich liebe Einmachen :)

  2. Birgit
    5.02.2013

    @Lena: Ich hoffe schwer, dass es dieses Jahr welche gibt. Sie sind einfach zu gut und auch eine ganz tolle Idee zum Verschenken. Die beiden Rezepte werde ich auf jeden Fall verbloggen.
    Ich wünschte ich hätte einen Garten. Das wird noch eine ganze Weile nicht der Fall sein. Bis es dann hoffentlich einmal so weit ist, funktioniere ich den Balkon in einen kleinen Garten um. Von Mieten hatte ich auch schon gehört und gelesen. Klingt für mich nach der plausibelsten Haltbarmachung überhaupt.
    Erdbeerlikör klingt sehr gut, muss ich auch einmal probieren und dieses Jahr werde ich wieder nach schwarzen Johannisbeeren Ausschau halten. Meine beiden kleinen Marmeladegläser waren im Nu weg und sooo gut.

  3. Eva
    5.02.2013

    Wow, du warst wirklich fleissig :-) Ich habe nur Holunterbeeren/ und -blütengelee, Mädesüsssirup, Zucchini in Öl und Zucchini-Paprikarelish (und Klassiker wie Erdbeermarmelade und so). Freue mich auch unbändig auf den Frühling. Hier in Hamburg habe ich heute im Schneegraupel schon erste blühende (!) Schneeglöckchen gesichtet :-)

  4. Birgit
    6.02.2013

    @Eva: An Gemüse in Öl habe ich mich auch versucht. Das will aber einfach noch nicht so klappen. Werde es nächstes Jahr nochmals versuchen.
    Immerhin, ein kleiner Lichtblick! Und die Tage werden auch immer heller!

  5. Anna
    6.02.2013

    Oh, Du hast ja tolle Ideen, besonders die Paprikawürfel finde ich richtig gut. Aber was sollen denn schwarze Nüsse sein? Hab ich noch nie gehört. Bin gespannt auf das Rezept.
    Hier am Hamburger Hafen ist vom Frühling noch nix zu sehen leider...

  6. Ulrike
    6.02.2013

    Der Walnussbaum aus Nachbars Garten hatte auch keine Nüsse im letzten Jahr. Vielleicht dieses Jahr

  7. Birgit
    6.02.2013

    @Anna: Ende Juni werden die noch grünen Nüsse vom Baum geholt und in einem Gewürzsud eingelegt. Zu diesem Zeitpunkt haben sie noch keine Schale ausgebildet und können nach einer gewissen Reifezeit aufgeschnitten werden. Schmecken ausgezeichnet zu Käse. Rezept folgt im Juni.
    @Ulrike: Dann hoffen wir schon zu zweit!

  8. Frau A.vom Bodensee
    7.02.2013

    Schön sind sie geworden und bestimmt auch lecker deine/meine Nüsse. Du scheinst ein Eichhörnchengen zu besitzen.
    Bin mal gespannt, ob ich dieses Jahr noch an die Nüsse drankomme, wenn es denn welche gibt. Der Gärtner hat die Äste sehr stark zurückgeschnitten, weil sie durch den gemauerten Grill ziemlich angekohlt wurden.
    Liebe Grüsse
    Maya

  9. Birgit
    7.02.2013

    @Frau A. vom Bodensee: Ja, letztes Jahr hat das Eichhörnchengen voll zugeschlagen;) Wenn ich dieses Jahr wieder schwarze Nüsse mache, schicke ich dir gern ein Glas. Du magst ja lieber pikant als süss. Grüsse an den Bodensee!

  10. WildeHenne
    8.02.2013

    Schöne Schätzchen hast Du in Deinem Keller gelagert. Die Paprikawürfel sind eine super Idee, werde ich nächsten Sommer auch umsetzen.
    Bei mir lagern ganz viele Gläser mit eingemachten Pilzen, solchen in Essig und solchen in Öl. Dann gibt es noch getrocknete Pilze sowie selbstgemachtes Pilzpulver; blanchierte Pilze habe ich eingefroren. Des weiteren finden sich verschiedene Marmeladen (Sanddorn, Kornelkirschen, Nektarinen-Rose, Aprikose-Lavendel etc.), literweise Holunderblütensirup, ein Rumtopf, selbstgemachte Gewürzpaste (auf die möchte ich nie mehr verzichten), Dörrbohnen, getrocknete Apfelringli, selbstgemachtes Apfelmus in Gläsern, eingemachte Rotweinbirnen, sterilisierte Kirschen... Tief in mir drin bin ich eigentlich ein Eichhörnchen.

  11. Birgit
    8.02.2013

    @WildeHenne: Deine Pilz-Konservierungsmethoden sind super. Werde ich mir merken. Hast du Sanddorn und Kornelkirschen selbst gesammelt? Alles andere klingt auch ganz toll.

  12. Wilde Henne
    9.02.2013

    Die Kornelkirschen stammten aus dem Garten von meinem Onkel, den Sanddorn, resp. die Äste mit den Beeren dran, habe ich von einem Bekannten geschenkt gekriegt. Eine wahnsinnige Arbeit, die Beeren abzupopeln...

  13. Pingback: Tasmanisches Pfefferdressing – nicht nur für Spargelsalat | Cosycooking

Kommentar schreiben

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

* Pflichtfelder, E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht