Cosycooking

Île de Ré - von freundlichen Menschen und ihren Erzeugnissen

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Aufenthalt!" Ich hatte mich schon umgedreht, als der freundliche Mann mit dem kleinen Gemüsestand mir diese guten Wünsche nachrief. Dabei hatte ich bei ihm gar nichts gekauft, sondern lediglich nach einem guten Bistro in La Rochelle gefragt. Er hat mir geduldig, freundlich und generös Auskunft gegeben. Meine nächste Anlaufstelle, ein Mann mittleren Alters, lässt es sich nicht nehmen, uns sein Lieblingslokal persönlich zu zeigen - trotz einer Tasche voll leerer Flaschen, die er zu entsorgen hat.

Würdet ihr bei einer Umfrage zum Thema freundlichster Europäer die Franzosen auf Platz 1 wählen? Bei mir waren sie ganz klar im letzten Drittel anzutreffen. Bis vor kurzem. Ein Mix aus bereits gemachten Erfahrungen und nicht auszurottender Vorurteile. Das es ausserhalb der Ballungszentren auch anders geht, das leben die Bewohner der Île de Ré und der Atlantikküste den Touristen täglich vor. Höhepunkt der uns allseits entgegenschwappenden Freundlichkeitswelle: der junge Franzose in der Vinothek von La Couarde sur Mer bietet seine Englischkenntnisse an. Ich bin baff. Hier ist Anglophobie ein Wort, das man nicht kennt.

Die positiv-freundliche Haltung der Insulaner ist auch beim Fotografieren spürbar: "Darf ich ein Foto machen?" Auf der ganzen Welt von Asunción bis Zürich ist es eine Frage der Höflichkeit und des Anstandes, bei Personen nachzufragen, ob man von ihnen oder ihrem Eigentum Fotos machen darf - schliesslich lässt sich niemand gerne von wildfremden Menschen ablichten. Auf der Île de Ré ist diese Frage von Leichtigkeit geprägt. 100%. Das von Katharina auf Esskultur beschriebene, in Paris offensichtlich vorherrschende Fotografierverbot ist auf der kleinen Insel (bis jetzt) noch nicht angekommen. Ich kann und darf überall und alles fotografieren. Das treibt an. In der Bäckerei, auf den Märkten und auch bei den Produzenten, sogar die Frau Pouletbraterin in La Couarde habe ich - sehr zu ihrer eigenen Belustigung - abgelichtet.

Nicht nur die Bewohner, auch das Wetter hat es gut mit uns gemeint. Fahrräder sind DIE Fortbewegungsmittel. Wir haben auf über 100 km Radwegen die Insel von Ost nach West und von Nord nach Süd erkundet. Auf der Île de Ré ist die Vegetation zweigeteilt. Kommt man von La Rochelle über die 1988 gebaute Brücke, ist die Insel grün und fruchtbar. Gemüse- und Weinanbau sind vorherrschend. Der vorbeiziehende Golfstrom ermöglicht trotz der nördlichen Lage den Anbau vieler landwirtschaftlicher Produkte - Tomaten, Salate, Erdbeeren, Kirschen, Getreide und die berühmte Île de Ré Kartoffel, die als einzige in ganz Frankreich das Prädikat A.O.C. tragen darf.

Die Weine haben einen eher rauen Charakter. Zu Austern- und Muschelgerichten haben wir sie ab und zu getrunken. Zu Hause würde ich diese wohl eher nicht trinken. Ganz im Gegenteil zum Pineau. Auf der Insel bekommt man ihn unter dem Namen "Îlrhea", in der Region ist er als Pineau de Charentes bekannt. Dieser süssliche Wein wird - eher ungewöhnlich für unsere Gaumen - zum Aperitif und damit zu Salzigem getrunken. Es gibt weissen und roten Pineau. Ich mochte beide, wobei der rote dem Portwein sehr ähnlich ist. Drei Flaschen vom weissen Pineau wanderten in meinen Koffer. Für diese Art von Mitbringsel hat man schliesslich immer Platz, oder man schafft welchen!

Der östliche Teil der Insel ist von Salzgärten und vom Marschland geprägt. Ein grosser Teil davon ist ausgewiesenes Naturschutzgebiet, das man sich herrlich erradeln kann. Fleur de sel ist ein wichtiges Produkt dieses Teils. Neben den Salzgärten findet man - oft von weitem sichtbar, oft auch versteckt - die zahlreichen Austernzüchter. In Frankreich werden jedes Jahr ca. 120.000 Tonnen Austern gegessen. Ein grosser Teil kommt von den Zuchtgebieten am Atlantik. Auf der Île de Ré gibt es Betriebe jeder Grösse. Einer davon "La Rhétaise" liegt am Radweg von La Couarde Richtung Ars en Ré. "Huître, Moules, Details, Dégustation" steht von weitem unübersehbar auf dem Gebäude. Die Austern werden in verschiedenen Grössen angeboten. Die Grösste "superior", ist gut und gerne ca. 12 cm lang. Austern benötigen bis zur Erntereife ca. 3 Jahre. Wir waren einige Male in La Rhétaise, wo man neben den vorzüglichen Austern auch wunderbare Miesmuscheln aus eigener Produktion bestellen kann. Die Inhaberin, eine ausgesprochen freundliche Dame, lächelt, als ich sie frage, was denn mit den leeren Austernschalen passiere. Man weiss nicht allzu viel damit anzufangen. Auf der Insel werden sie in Drahtsäcke gepackt und für die Befestigung von Wegen und Wasserbecken verwendet. Ein Unternehmen in der Bretagne stellt mit Hilfe von Austernschalen Strassenfarbe her. Auf DIE zündende Geschäftsidee ist bis dato wohl noch niemand gekommen.

Ausser bei den Austernzüchtern waren wir in den zahlreichen Restaurants bestens aufgehoben. Es war nicht Hochsaison, und wir haben dennoch, manchmal keinen Platz bekommen. Eine telefonische Reservierung ist daher empfehlenswert:

La Cabine de Bain in La Couarde sur Mer (Tel. 05 46 29 84 26) : kleines Restaurant im Zentrum, freundlicher Service. Ich hatte dort eine ausgezeichnete Chicoréetarte mit Äpfeln, Honig und Walnusspesto. Die Fischgerichte sind ebenfalls empfehlenswert.

Le Serghi in Saint Martin de Ré (Tel. 05 46 09 03 92): Terrasse mit schöner Aussicht auf den Hafen. Grosses Angebot an Mittagsmenüs und eine grosse Auswahl an Fischgerichten. Die Mouclade charentaise (Miesmuscheln mit Curry-Rahmsauce) war vorzüglich.

La Bouvette in Le Bois Plage en Ré (Tel. 05 46 09 29 87): kleines Restaurant neben der von weitem sichtbaren Windmühle. Wir sind extra am Tag vor unserer Abreise mittags hingeradelt um Eclade de Moules zu essen - Miesmuscheln, die auf getrockneten Fichtennadeln gegart werden. Es war etwas vom Besten, das wir auf der Insel gegessen haben. Wer dort ist, muss es unbedingt probieren! Zum Hauptgang hatten wir Fisch vom Holzkohlengrill, geschmacklich ebenfalls eine Wucht!

Le Clocher in Ars en Ré (Tel. 05 46 29 41 20): Gasthaus im Dorfzentrum direkt neben der Kirche. Mittags immer voll. Sehr freundlicher Service. Bei den Mittagsmenüs ist für jeden etwas dabei.

Wir haben das erste Mal eine Ferienwohnung gebucht und wir haben es nicht bereut. Wir hatten dadurch Gelegenheit, auf den Märkten einzukaufen und so z.B. die herrlichen Käse zum Frühstück und zur Jause zu geniessen.

Die Markthalle in La Couarde hat mittwochs und sonntags geöffnet. Die Auswahl ist nicht so gross wie in der Markthalle von Le Bois Plage en Ré. Dieser Markt ist ca. 2 km von La Couarde entfernt und hat jeden Tag geöffnet.

Ein herzliches Dankeschön geht an Katia von Bolliskitchen für die zahlreichen Tipps vor und während unserer Reise!

Hier noch ein paar Bilder unserer Reise: 

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Kommentare

  1. Andreas
    31.07.2011

    Deine Bilder sind wieder einmal ein Traum. Da wird man geradezu fernwehsüchtig. Ich muss unbedingt mal wieder in Frankreich Urlaub machen ... Sprachprobleme hin oder her!

  2. Birgit
    4.08.2011

    @Andreas: Danke. Unbedingt hinfahren! Ein Grund für die Freundlichkeit der Franzosen, war sicher, dass wir immer und überall unsere französischen Sprachkenntnisse hervorgeholt haben. Das wurde anerkannt und hat Spass gemacht.

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