Cosycooking

Reineclaude-Tommerl - süsser Zungenbrecher

Gestern haben wir einen Ausflug ins Bündner Land gemacht. Preiselbeeren sammeln stand auf dem Sonntagsprogramm. Meine Befürchtung, dass andere Preiselbeerliebhaber schon längst alles weggepflückt haben, war unbegründet. Die roten Beeren gibt es noch in Massen. Dort wo wir sammeln, hängen sie an etwas höher gewachsenen Büschen, aber auch kriechend versteckt im Gras. Das Gelände ändert von flach zu etwas steiler. Dementsprechend ändert die Pflückhaltung von gebückt zu kniend bis zu sitzend. Ihr könnt euch vorstellen, dass das alles in allem eine anstrengende Sache war. Wir hatten 2 Stunden veranschlagt und konnten uns dann doch erst nach 4 Stunden losreissen und Taschen, Boxen und Plastikbecher – vollgefüllt – zusammengepacken. Zu Hause angekommen – mit schmerzendem Rücken und immer noch wackeligen Knien – wollte ich vor allem eines: ein Wohlfühl-Abendessen. Die Wahl fiel auf ein Tommerl. Alleine das Wort hat schon etwas Tröstliches. Es war die bestmögliche Wiedergutmachung für all die Sammel-Mühe.

Tommerl kennt man in Österreich vor allem in der Steiermark und wird dort vorhnehmlich mit Sterz (Maisgriess) gekocht. Mit dem Sterz werden andere Zutaten, wie z.B. Grammel oder Pilze abwechselnd in eine Form geschichtet und im Ofen gebacken. Es ist gut möglich, dass mir als Kind in der Steiermark von meiner Oma oder Tante Frieda Tommerl vorgesetzt wurden. Daran erinnern kann ich mich leider nicht. Es ist im weitesten Sinn eine Speise die geschichtet in einer Form im Backofen zubereitet wird. Mein Tommerl habe ich mit Griess und Reineclauden gemacht. Diese habe ich zu Mus gekocht und abwechselnd mit dem gekochten Griess in eine Auflaufform geschichtet und gebacken. Minimaler Aufwand mit höchstmöglichem Wohlfühlfaktor. Tommerl kann man jahreszeitlich unabhängig mit vielen verschiedenen Früchten machen - Rhabarber, Himbeeren, Zwetschken, Äpfel und so weiter. Die Früchte müssen nicht unbedingt vorher gekocht werden (ich mag as aber lieber), sondern können mit etwas Zucker vermischt roh verwendet werden. Ich mag besonders den Kontrast zwischen süssem Griessbrei und säuerlichen Früchten.

Übrigens - Französisch ist eine der 4 offiziellen Landessprachen der Schweiz. Es überrascht daher nicht, dass auch in der Alltagssprache im deutschsprachigen Teil des Landes viele französische Ausdrücke verwendet werden. So ist hier der Schaffner der Conducteur, der Gehsteig das Trottoir, die Friseurin die Coiffeuse, die Geldtasche das Portemonnaie, das Fahrrad das Vélo und die Edelpflaume die Reineclaude. Man könnte sie auch eingedeutscht Reneklode oder Ringlotte nennen. Verkauft wird sie hierzulande aber ausschliesslich unter ihrem französischen Namen. Die Saison ist kurz und neigt sich jetzt schon bald dem Ende zu. Sie schmecken roh und gekocht ausgezeichnet. Also greift zu!

REINECLAUDE-TOMMERL - Rezeptquelle: eigenes Rezept

Menge für eine kleine Auflaufform

Zutaten

  • 500 Gramm Milch
  • 110 Gramm Hartweizengriess
  • 1 Ei
  • Schale 1/2 Zitrone
  • 3 Esslöffel Akazienhonig
  • 1 Prise Salz

 

  • 350 Gramm Reineclauden
  • Saft 1/2 Zitrone
  • 2 Esslöffel Akazienhonig
  • 10 Gramm Butter
  • 1 Messerspitze Bourbon-Vanille

 

  1. Backofen auf 180° C vorheizen
  2. Milch aufkochen
  3. Griess einrühren, ein paar Minuten köcheln lassen und zugedeckt auf die Seite stellen
  4. in einer Pfanne Zitronensaft, 2 EL Akazienhonig und Butter flüssig werden lassen 
  5. Reineclauden waschen, halbieren und entkernen
  6. zur Flüssigkeit geben und leicht köcheln lassen - die Reineclauden sollten zu einem dicklichen Mus eingekocht sein
  7. in die abgekühlte Griessmasse Ei, Zitronenschale, Akazienhonig, Prise Salz und Bourbon-Vanille unterrühren
  8. abwechselnd Griessmasse und Reineclaudenmus in eine Auflaufform schichten  - ich habe eine kleine Auflaufform mit 15 cm Durchmesser und habe insgesamt 3 Schichten Griessmasse / 2 Schichten Mus eingefüllt. Falls die Auflaufform grösser ist, nur 2 Schichten Griessmasse / 1 Schicht Mus einfüllen
  9. mit Griessmasse abschliessen
  10. ca. 45 Minuten backen bis die Kruste goldgelb ist 

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Kommentare

  1. Micha
    18.09.2012

    Beute und Trommerl - das nenne ich doppelte Belohnung!

  2. Bolliskitchen
    18.09.2012

    Reine Claude ist hier, in Frankreich, eine eigene Sorte...und eigentlich überhaupt nicht edel....Gute Idée mit dem Tommerl, mein Mitesser liebt Gries und ich kann gâteau de semoule nicht mehr sehen.........

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