Cosycooking

(Deutsch) Von den Freuden eines Stadtgartens

Zuerst entschuldige ich mich dafür, dass es hier auf Cosycooking in den letzten Monaten ziemlich ruhig war und ich so lang so gar nichts Frühlingshaftes und sommerliches auf den Teller gezaubert habe. Gründe sind mein Brotjob, eine intensive aber sehr, sehr spannende Weiterbildung in Zürich, die mich noch bis September auf Trab halten wird und mein Garten. Ich hatte bereits hier davon berichtet. Letzten Spätsommer hatte ich das ca. 100 m2 grosse Stück Land übernommen. Ca. 5 Fussminuten von zu Hause gelegen, konnte ich einfach nicht widerstehen. Die Gartensiedlung liegt idyllisch in schönster Stadtlage auf teurem Bauland. Ich hoffe sehr, dass die Stadt St. Gallen als Eigentümerin dieses Juwel noch lange so belässt und es nicht dem rundum grassierenden Bauwahn zum Opfer fallen wird.

Meine Eltern hatten früher ein Ried. So nennt man im Vorarlberger und zum Teil im Schweizer Rheintal Grundstücke die ausserhalb von Städten und Ortschaften liegen, auf dem es meist eine kleine Hütte oder ein kleiner Schopf und einen mehr oder weniger grossen privat bewirtschafteten Garten hat. Mein Papa hat mich auf sein Moped oder ins Auto gepackt und konnte mich meistens auch bald wieder zu Hause abliefern, weil ich entweder in einen Graben oder in das angrenzende Bächlein gefallen bin oder sonst irgendwas passiert ist. An das, an viele Erlebnisse und vor allem an die unbeschwerten Augenblicke kann ich mich noch genau erinnern. Lange Zeit waren diese Erinnerungen tief vergraben und mit Natur, dreckigen Händen und selbst gesäten Pflanzen hatte ich überhaupt nichts am Hut. Ich wollte nie einenGarten. Punkt. Jetzt habe ich einen.

Auf dem Grundstück hatte es bei der Übernahme ein Garten- und ein Gewächshäuschen, einen selbstgemauerten Grill und einen über die gesamte Breite geleiteten dornenlosen Brombeerstrauch. Das Feld war durchgängig frisch gepflügt und mit handtellergrossen Erdbrocken übersät. Es ist eine stark verdichtete Lehmerde. Kein Wunder hatte ich das Gefühl, die ersten 3 Monate nur am Umgraben und am Lehmbrocken zerhacken zu sein. Eine geistig entspannende Aufgabe, aber irgendwann hatte ich die Nase gestrichen voll. Ohne den zu Hilfe eilenden Mitbewohner, wäre ich heute wahrscheinlich nicht viel weiter. Irgendwann war es geschafft, die Beete geplant und angelegt und die ersten Johannisbeersträucher gesetzt. Ich bekam von den Gartennachbarn Salatsetzlinge und einen halben Rhabarberstock geschenkt. So nahm das Ganze Form an, langsam aber sicher.

Als Neo-Gärtnerin hatte ich keinen Plan was ich wann, wo und vor allem mit was zusammen pflanzen könnte. Deshalb blieb es auch beim oben Erwähnten. Im Winter kam noch etwas Barbarakraut und Portulak dazu. Das war’s. So sollte es im Frühling natürlich nicht weitergehen. Die Planung glich einer generalstabsmässigen, strategischen Übung und dauerte ca. 3 Monate. Ich plante, verwarf und stand wieder ganz am Anfang. Ich wollte nichts dem Zufall überlassen. Dass die Natur aber nach ihren eigenen Gesetzen funktioniert, begreift man dann jedoch ziemlich schnell. Alles in allem klappt es bisher ziemlich gut und es ist jedes Mal ein kleines Wunder wenn aus einem gelegten Samenkorn zartes Grün emporklimmt. Momentan gedeihen ca. 20 Gemüsesorten – Dicke Bohnen, Erbsen, diverse Salate, Fenchel, Kartoffeln, Tomaten, Auberginen, Paprika, Broccoli, Stangensellerie, Kürbis, Zucchini, Zuckermais, Rüebli, Kardone, Stangenbohnen, Kohlräbli und andere. Zu den beiden Johannisbeersträuchern gesellten sich Himbeeren und Erdbeeren und auf den verschiedenen Kräuterbeeten haben neben den Klassikern auch noch Eberraute, ligurischer Beifuss, Kamille, Pimpinelle, Bärwurz, Anis-Ysop und einige andere einen Platz bekommen.

Mit den Kräutern bin ich am Experimentieren. Zusammensetzungen, Geschmacksharmonien und -disharmonien zu entdecken, wieder zu verwerfen und von neuem zu Beginnen ist ein Riesenspass. Eine Konstante auf unseren Tellern ist aktuell eine sehr einfache Vinaigrette mit der wir zarte Blattsalate marinieren: Weissweinessig, bestes Olivenöl, ein wenig Honig mit Schalotten und einer gequetschten Knoblauchzehe ca. 1 Stunde stehen lassen und dann abseihen. Einen Teil der Schalottenwürfel gebe ich in die Marinade zurück. Mit Kräutersalz, frisch gemahlenem Pfeffer, Schnittlauch und etwas Sauerrahm verrühren. Die Marinade passt sehr gut zu Blattsalaten.


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Comments

  1. Christel aus Berlin
    1.07.2014

    Weißt du, was mich in deinem Garten am allermeisten anlacht, das ist der wunderschöne grasbewachsene Weg. Ich spüre ihn förmlich unter meinen Füßen. So muss für mich Garten sein: Natur pur!

  2. Birgit
    1.07.2014

    Ja, der Weg zu meinem Teil des Gartens hat schon was. Ich hoffe, es bleibt noch lange so.

  3. Christiane
    7.08.2014

    Genau so muss ein Garten sein. Idylle pur und so naturbelassen wir möglich. Der Weg ist ein Traum und auch die ganzen Fotos sind so toll, man wünscht sich direkt an diesen traumhaften Ort. Vielen Dank für die tollen Eindrücke und weiter so. Du machst es richtig.

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